Im Rahmen des EIDHR-Programms der Europäischen Union (European Instrument for Democracy and Human Rights) wird ARCHEMED seit dem 15.03.2015 für die Dauer von zwei Jahren mit einem Betrag von 97.000 Euro gefördert, gezielt gegen die weibliche Genitalverstümmlung in der Region Gash Barka, Eritrea, vorzugehen.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet weibliche Genitalverstümmelung, auch FGM (Female Genital Mutilation), sämtliche Eingriffe, bei denen ein Teil der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane oder das gesamte äußere Genital entfernt wird. Unter Verstümmelung versteht man einen nicht medizinisch angezeigten Eingriff, der den Körper irreparabel verletzt. Der Eingriff findet meist vor der Pubertät statt, häufig bei Mädchen zwischen vier und acht Jahren, aber auch vermehrt bei Säuglingen, die erst wenige Tage, Wochen oder Monate alt sind.

Bei der genitalen Verstümmelung handelt es sich um schwerwiegende, äußerst gewalttätige Eingriffe in den Körper eines Kindes, die schwerste physische und psychische Schäden hinterlassen. FGM zählt zu den systematischsten und
 am weitesten verbreiteten Misshandlungen und Kinderrechtsverletzungen. Viele internationale Organisationen stufen die Beschneidung als Verletzung des Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit ein.

Seit April 2007 ist im afrikanischen Eritrea die Beschneidung weiblicher Genitalien verboten. Es ist ein Sieg für diejenigen, die seit Jahren gegen die grausame Tradition gekämpft haben. Doch um dem Problem wirklich beizukommen, muss die Bevölkerung außerhalb der Städte überzeugt werden, also der überwiegende Teil der fast fünf Millionen Eritreer. Im Sinne dieses konkreten Projektes „Stengthen the position of women in Eritrea - fight against female genital mutilation“ vermittelt ARCHEMED den eritreischen Frauen und Männern vor Ort ein Bewusstsein für die gesundheitlichen Risiken und Folgen von FGM. Ziel ist es, im Rahmen der Aufklärungsarbeit Vorkommen und Verbreitung der Genitalverstümmlung zu reduzieren und damit akute Komplikationen sowie langfristige Folgen für die Frauen und deren Familien zu vermeiden. Kenntnisse über die Gesetzeslage stärken die eritreischen Frauen in ihrem Recht und fördern die Gleichberechtigung der Geschlechter.

Bisher wurden lokale Gruppen aufgebaut, die sich aus Vertretern aller gesellschaftlichen Gruppen der Kommunen zusammensetzen. Diese Gruppen planen und organisieren die Aufklärungsarbeit in den Kommunen. So wurde bereits lokal in den Kommunen gegen FGM demonstriert. Gruppen von Frauen und Männern wurden in Trainings über die Risiken und Folgen von FGM informiert. Besonderes Augenmerk der Aufklärungsarbeit liegt auf der künftigen Elterngeneration. Dazu wird eine enge Kooperation mit der lokalen Schule aufgebaut, um bereits die Schüler über FGM zu informieren.

Unser Filmemacher Kai Gebel hat einen eindrucksvollen Film über unser Projekt erstellt.

Anne Rieden, Antje Thomas